GV Immergrün Rockenberg

Schlechte Menschen haben keine Lieder.

Projekt des Cantico verde „filmreif“ war filmreif

Konzert des Immergrün Rockenberg begeisterte in ausverkauftem Haus

Außen: ein eher unscheinbares Lokal (zur Wetterau) in Oppershofen, innen ein Spektakel fast wie im alten Hollywood. Der Cantico Verde des Immergrün Rockenberg hatte sich schwer ins Zeug gelegt. Die Sänger und Sängerinnen des Chorprojekts „filmreif“ schufen eine Kulisse in der sich nicht nur das Zuhören, sondern auch das Zuschauen lohnte. Schon im Eingang begrüßte einen, ganz stilecht, ein roter Teppich und ein Ambiente wie in einem nostalgischen Filmspielhaus – und genau das war auch die Absicht. Die Idee, mit musikalischen Titeln aus der Welt des Films ein Konzert zu gestalten, wurde schon vor über einem Jahr geboren und am Sonntag war es endlich soweit. Unter der musikalischen Leitung von Monika Bayer wurde das Ergebnis einem gespannten Publikum präsentiert. Schon die erste „Nummer“ ein Medley aus dem Film „Forest Gump“ kündigte an, was nun folgen sollte: Eine richtige Show! An einer „Bushaltestelle“ finden sich die Protagonisten ein und singen mit soviel guter Laune und verve, dass es einen mitreißen musste. Songs aus dem Musical „Hair“ und der Jugendchor mit einem ABBA Medley versetzten einen augenblicklich in die siebziger Jahre zurück, zumal sich die Sänger und Sängerinnen mit Phantasie und ausgefallenen Accessoires in stilechte Hippielaune versetzten und vielen, die damals jung waren und heute nicht mehr ganz so jung sind, stand das Wasser in den Augen. Soviel Nostalgie, soviel Leidenschaft, soviel Liebe zur Musik. Elena Groß sang sich als ABBA – Solistin in alle Herzen und der Applaus kam spontan und heftig.

Von „Nummerngirl“ Kim Mende angekündigt: der Teil „Mystisch“. Das Solostück „Totale Finsternis“ aus Tanz der Vampire, gesungen von Hans Landvogt und Juliane Müller war zum träumen schön und als überraschender Kontrast der Auftritt „echter“ Zwerge aus dem Herrn der Ringe im Anschluss. Witzig, liebevoll, einfallsreich aber vor allem: immer wieder überraschend. „May it be“ war der gefühlvolle Abschluss des ersten Teils und die Zuhörer bejubelten die Darbietungen mit Hingabe.

Gestärkt durch eine kurze Pause und frisch eingekleidet ging’s weiter mit: „ There’s no buisiness like show buisiness“ .Dann hallte plötzlich ein Tarzan Schrei durch den Saal. Die jungen Damen der Showtanzgruppe des RCVI setzten ein optisches Highlight mit ihrem Tanz und später noch einmal zu „Moulin Rouge“. Auch dies wirkte so spontan und fröhlich, dass man einfach innerlich schmunzeln musste, genau wie bei dem Auftritt der Männer mit einem Lied aus Anatevka „Wenn ich einmal reich wär“. Die Stimmung im bis zum platzen gefüllten Saal war bereits unbeschreiblich als Svenja Haberand mit dem Song „Skyfall“ aus James Bond ihren Auftritt hatte. Eine schöne junge Dame, in einem eleganten schwarzen Kleid wird von einem Bodygard auf die Bühne begleitet. Sie stellt sich vor ein Mikrofon, nimmt ihre Sonnenbrille ab und fängt an zu singen, nur begleitet von einem Klavier und einer handvoll Backgroundsängerinnen. Es wurde augenblicklich still im Saal. Niemand traute sich auch nur das kleinste Geräusch zu machen. Der Gesang einer Diva. Tief, klar, gefühlvoll. Als der Applaus einsetzte muss sie sich gefühlt haben wie auf einem Stern, denn genau so strahlte sie – ganz zu recht.

Zwei weitere Songs, zwei weitere Solistinnen. „Son of a Preacher Man“ ließ einen mitswingen und Juliane Müller sang so was von cool, als täte sie nicht anderes. „Gabriellas Sang“ aus Wie im Himmel, war von anderer Machart. Rita Bayer – Groß gab dem wehmütigen Klang den richtigen Ausdruck und man bekam das Gefühl, der Chor betrauerte das nahende Ende dieses Konzertabends. Der Jugendchor nahm die Stimmung mit dem Stück „Vois sur ton chemin“ aus Die Kinder des Monsieur Matieu auf und erneut floss so manche Träne über Wangen und in Taschentücher. Der richtige Zeitpunkt für ein paar Worte. Birgit Mende, zweite Vorsitzende des Immergrün Rockenberg bedankte sich. Bei den Mitwirkenden für ihr Engagement, beim Publikum für ihr Dabeisein und dem reichlich gespendeten Applaus und nicht zuletzt bei Joachim Wagenhäuser, der das ganze Konzert mit Souveränität und Enthusiasmus auf dem Klavier begleitet hatte.

Nun blieb also nur noch das Schlusslied. Das war traurig. Nicht etwa weil das Stück traurig gewesen wäre, ganz im Gegenteil, sondern weil ein so wundervoller Abend, der keine Sekunde langweilte und einen immer wieder mitgerissen hatte, nun zu Ende ging.

Die drei von der Tankstelle mit „Ein Freund – ein guter Freund“ bildete den krönenden Abschluss. Zwei Sänger und die Dirigentin (!) erschienen in Overalls und man gab noch mal alles. Gute Laune im Überfluss. Überhaupt muss an dieser Stelle der Dirigentin einmal gesagt werden, was für ein wunderbares Konzert sie hier mit auf die Beine gestellt hat. Musikalisch abwechslungsreich, witzig dargeboten, mit einem Dirigat, dass sogar von hinten einfach schön anzuschauen war. Natürlich musste eine Zugabe gegeben werden. Natürlich hatte man immer noch nicht genug. Aber irgendwann muss Schluss sein. Nach zweieinhalb Stunden waren alle erschöpft aber glücklich. Mitwirkende und Zuschauer. Wer nicht dabei war hat was verpasst!