GV Immergrün Rockenberg

Schlechte Menschen haben keine Lieder.

Karibisches Lebensgefühl in Butzbacher Turnhalle

Der Cantico Verde zelebriert den „Samba“ in ausverkauftem Haus

Ein Chorkonzert. Da denken ja Viele: „Ok – schön und gut – aber ist nicht mein Ding – hat man alles schon gehört und gesehen.“ Die, die dabei waren wissen es nun besser. Die angekündigte „Karibische Nacht“ fand tatsächlich statt. Nicht nur dass es sehr warm war, nicht nur dass der Ort des Geschehens mehr an eine Strand-Bar und weniger an eine Turnhalle erinnerte; vor allem die heitere Sommer-Laune der Mitwirkenden erfasste in Windeseile das ganze Publikum. Der Wind spielte auch ansonsten eine gewisse Rolle. Schon im ersten Stück ging es darum. „Caribbean Blue“ beschreibe den heißen, aus Afrika kommenden Wind, in dem Götter und Geister wohnten, die für Anfang und Ende der Welt sorgten, so Monika Johann, eine der beiden Moderatorinnen des Abends. Sie und „Kollegin“ Kathrin Bauer gaben dem Publikum die nötigen Hinweise, damit dieses trotz der englischen, spanischen oder auch haitianischen Texte, die Stimmung der Stücke noch besser erfassen konnte. Die Melodie eines „Dulce embeleso“ kann man sicher um so mehr genießen, wenn man weiß, dass es dabei um „süße Küsse“ geht. Das traditionelle Haitianische Stück „Peze Kafe´“ war ganz anderer Art und Kathrin Bauer erzählte von dem armen Jungen, der auf dem Markt Kaffee holen sollte, verhaftet wird, seinen Einkauf verliert und in der Folge von der Verwandtschaft heftig dafür beschimpft wird. Das Gezeter fand in dem Stück unüberhörbaren Ausdruck und das Publikum war einmal mehr hingerissen von den fremdartigen Klängen und Rhythmen, die einem so in den Körper fahren, dass man kaum still sitzen kann. Das Solo von Juliane Müller, „Amor haciendo e amor“ (am Klavier begleitet von Rita Bayer-Groß) besagte schlicht: „…mit dir ist alles besser…“

karibische Nacht

 

Spätestens jetzt war auch klar, welchem Konzept der Konzertabend folgte. Chorleiterin Monika Bayer knüpfte die Stücke aneinander, indem diese einem imaginären, karibischen Tagesablauf von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang folgten. „Calor“ = Hitze, stand für die Mittagsglut. Zusammen mit dem Latin-Trio Desafinado ergab sich der Cantico Verde der schwülen Melancholie der Musik; was im übrigen nicht weiter schwer fiel, denn es war an diesem Abend tatsächlich ungeheuer warm und nachdem Desafinado noch mit drei weiteren Stücken dem Publikum einheizte, waren alle bereit zu einer („Mittags“-) Pause, aber nicht ohne dass die Aktiven zuvor noch hingebungsvoll mit Applaus verwöhnt wurden.

Ganz dem Motto des Abends folgend wurden Erfrischungen wie Caipirinha-Bowle und Limonaden gereicht und seinen Hunger konnte man an köstlichen kleinen Pasteten und anderen Leckereinen stillen. Vor allem jedoch konnte man sich draußen ein wenig Wind um die Ohren pusten lassen.

Der Auftakt der zweiten Konzerthälfte begann klatschend. Nicht das Publikum sondern der Chor lief ein und riss alle Anwesenden mit. Es folgte eine Art „Klatsch – und Stampf – Choreografie“ die für Überraschung und Begeisterung sorgte. Sofort waren Alle ganz bei der Sache. Die Ballade „Serenata Para la Tierra de uno“, ein argentinischer Tango, “Smoke get’s in your eyes”, gesungen von einem kleinen Frauenensemble und “Mas que nada” bildeten den Auftakt zu einem weiteren Auftritt von Desafinado. Mit ihrer Latin-Musik, die streng genommen natürlich nicht so ganz genau in die Karibik gehört, sorgten sie mit Gitarre (Claus Krogmann), Stimme (Julia Hofmann) und Perkussion (Thorsten Hofmann) trotzdem für genau das passende heiter bis melancholische Sommerabendgefühl. Die Zuhörer fanden das auch. Überhaupt hatte man das Karibikthema nicht ganz so ernst genommen, es ging mehr um die Idee des karibischen Lebensgefühls und das darf sich geografisch durchaus bis in Lateinamerikanische Regionen ausdehnen. Der Rhythmus des Samba bestimmte den Abend.

Mit den bekannten Stücken „La Cumparsita“, „Fly me to the Moon“ und „Banana Boat Song“ mit Thomas Müller in der „Hauptrolle“ befand man sich auf dem Höhepunkt des Konzertabends. Der Saal kochte. „Evenin time“ ein jamaicanisches Volkslied, brachte es im Anschluss auf den Punkt: „…tek di load of fah yu head….“, sinngemäß: „…lass uns Feierabend machen…“- man soll ja aufhören wenn’s am Schönsten ist. Auch wenn’s schwerfällt. Auch wenn man gerne noch weiter getanzt, gesungen und gefeiert hätte. Alle waren erschöpft aber glücklich. Die Moderatorinnen dankten mit Worten und Blumen. Besonders zu erwähnen wäre da noch Joachim Wagenhäuser, der viele der Chorstücke mit dem E-Piano begleitete und der einmal mehr seine Souveränität und sein musikalisches Gefühl unter Beweis stellte; und – nebenbei bemerkt – seinen Humor, indem er den „Banana Boat Song“ mit schwarzer Rastafari-Perücke spielte…Die Begleitung von Thorsten Hofmann mit dem Cajon, sorgte für den besonderen Klang der in dieser Art Musik nicht fehlen darf und der den Chor des Immergrün Rockenberg schon während der Proben immer wieder begeistert hatte. Auch eine Zugabe durfte natürlich nicht fehlen. Alle gemeinsam und zwar wirklich ALLE sangen zum Schluss „Volare“, aus voller Kehle. Im Stehen bzw. tanzend und klatschend nahm man voneinander Abschied. Noch einmal richtig schwitzen, noch einmal alles geben, wie schon den ganzen Abend. „Meine Hände haben sich noch nie so heiß angefühlt…“ war der Kommentar einer Besucherin. Ja, die Hitze, sie spielte die Hauptrolle. In den Stücken und im echten Leben.